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Rückblick

Bericht im Wiesbadener Kurier  

28. Oktober 2002

Von Kurier-Mitarbeiter Dirk Vogel
 

 

Für die 20 Aktiven Im Wiesbadener Filmkreis sind Filme, Videos und Diashows die liebste Freizeitbeschäftigung. Neueinsteiger sind stets willkommen:
Bei wöchentlichen Clubabenden Im Keller der Leibnizschule vermittelt der Verein sein Fachwissen kostenlos an Interessierte Amateurfilmer. Filmabende bei Bekannten und Verwandten geraten schnell zur Strapaze. Spätestens wenn der Bräutigam zehn Minuten lang beim Anschneiden der Hochzeitstorte zu sehen ist, kommt gähnende Langeweile auf. Das muss nicht sein: "Viele Leute halten ihre Erinnerungen auf Video fest, aber mit etwas Kreativität kann jeder etwas schaffen, worüber man sich lange freut", sagt Rainer Drews, Vorsitzender des Wiesbadener Filmkreises.
Die nötigen Kniffe zur ansprechenden Nachbearbeitung von Filmmaterial vermittelt der 1963 gegründete Verein mit kostenlosen Seminaren und Filmabenden. Bei den wöchentlichen Treffen teilen die 20 Mitglieder gerne ihr Fachwissen zur Aufbereitung von Filmen, Videos und Diaserien.
Denn: Mit Hilfe der heutigen Technik sind eigene Filme leicht zu, produzieren. "Wer bereits einen PC hat, braucht keine großen Investitionen zu tätigen," sagt Drews. Schon für 1000 Euro ermöglichen eine digitale Videokamera und die entsprechende Erweiterungskarte für den Computer den Einstieg, erklärt der 51-Jährige.
Früher war das erheblich schwerer, weiß Dieter Milewski, Gründungsmitglied im Filmkreis. Der 69-Jährige dreht seit 1958 Amateurfilme und hat alle Stufen der Entwicklung erlebt. Anfangs filmte der gelernte Rundfunk- und Fernsehtechniker seine Reise- und Dokumentarfilme im AchtMillimeter-Format. Da wurden Ton und Bild erst getrennt aufgenommen, dann später per Kopplung synchronisiert. Zwar seien heute vor allem Spezialeffekte leichter per Computer zu realisieren, doch: Auf den richtigen Einsatz kommt es an." Es gibt bestimmte Regeln, an die man sich halten muss", rät Milewski. So sollte eine Überblendung stets einen Orts- oder Zeitwechsel signalisieren. Diese "Gesetze" des filmischen Erzählens vermitteln Fachbücher oder die Experten im Filmkreis.
Treffpunkt der Enthusiasten ist das Klubkino im Keller der Leibnizschule. Die heute drei Vorführräume mit bis zu 50 Sitzen hat 1962 der ehemalige Leibnizschüler Jürgen Labenski eingerichtet, der inzwischen als ZDF-Filmredakteur bekannt ist. Zwischen Projektoren und historischen Filmpostern kommt der Club jeden Donnerstag um 19.30 Uhr zusammen.
Auf dem Programm stehen neben Vorführungen eigener, Filme und Dias auch der gezielte Umgang mit gestalterischen Mitteln wie Schnittsoftware oder das Sprechen von Kormentaren am Mikrofon. Oft analysieren die Filmfreunde die Werke großer Regisseure, sagt Drews, dessen Vorbild Alfred Hitchcock ist.
Darüber hinaus ist der Filmkreis Mitglied im Bund Deutscher Filmamateure (BDFA) .Die Wiesbadener laden regelmäßig Gleichgesinnte aus ganz .Deutschland ein und nehmen an bundesweiten Wettbewerben teil. Höhepunkt im Kalender sind die Deutschen Amateurfilmfestspiele, bei denen eine Auswahl von rund 50 Filmen der rund 300 Filmclubs im ganzen Land zu sehen ist. Bis dahin zu kommen und ein Publikum von mehreren hundert Zuschauern zu erreichen, ist für Amateurfilmer "der größte Lohn", sagt Milewski.

Die Amateure des Clubs haben in etlichen Stunden ihrer Freizeit eine Vielzahl von Filmen und Diaserien geschaffen. " Das ist mit viel Arbeit nach Feierabend verbunden, die Leute investieren ihr Herzblut", sagt Rainer Drews. Der Filmfreund unterrichtet Mathematik und Physik ' an der Leibnizschule. Vor 25 Jahren griff er zum ersten Mal zur Kamera.
Wie viele Stunden Nachbearbeitung stecken in zehn Minuten bewegten Bildern? " Das hängt von der Art des Films ab", erklärt Milewski. Innerhalb einer Woche könne der eigene Streifen fertig sein. An seinem ersten Streifen, einer 25-minütigen Dokumentation über Friedrich Schiller, habe er jedoch ein ganzes Jahr lang gesessen, versichert der Veteran.
Aber gerade die zur Verfügung stehende Zeit und Muße seien Vorteil der Hobbyfilmer, sagt Rainer Drews. So verstecken sich Amateurfilmer auch mal vier Tage neben einer Lichtung, um balzende Hirsche zu filmen. Material, das große Femsehsender gerne kaufen. Denn: "Das Wort Amateur bedeutet keinesfalls schlechte Qualität, 'sondern Liebe zur Sache."

Der Wiesbadener Filmkreis trifft sich donnerstags im Keller der Leibnizschule, Zietenring 9.
Infos gibt Clubleiter Rainer Drews unter Telefon 06127 / 62 104.